Lebensqualität auch in Alter und Pflege sichern

Mit Marret Bohn und Maren Berger in der Seniorenresidenz Bad Bramstedt.

Gute Pflege schafft Lebensqualität!

Als Abgeordnete habe ich in den letzten Monaten verschiedene Pflegeheime besucht.

Ich habe dort mit Heimleitungen und AusbilderInnen über den Fachkräfte-Mangel in der Pflege gesprochen und die Frage diskutiert, wie es angesichts der steigenden Zahl an Menschen, die pflegebedürftig werden, gelingen kann, genügend Menschen für den Pflegeberuf zu begeistern.

Wir haben die Ausbildungssituation der Pflegekräfte beleuchtet und die Debatte um ausländische Pflegekräfte geführt. Fachkräfte, die bestens ausgebildet sind, aber zum Teil mit geringen Deutschkenntnissen zu uns kommen und sich hohen bürokratischen Hürden gegenüber sehen. Die Arbeitswelt einer hoch ausgebildeten spanischen Fachkraft unterscheidet sich stark von der Situation Pflegender in Deutschland. In anderen Ländern wird viel stärker zwischen sehr hoch ausgebildeten Fachkräften und „helfenden Händen“ unterschieden. In Deutschland werden gut ausgebildete Pflegekräfte, die ausgesprochen rar sind, in allen Bereichen eingesetzt.

Ein weites Feld, das erhebliche Arbeitszeit bindet, sind auch die Dokumentationsaufgaben in den Heimen, belastend für Menschen, die pflegen und sich kümmern wollen und deshalb den Pflegeberuf gewählt haben. Wir sind uns in den Gesprächen schnell einig geworden, dass es sinnvoll ist zu viel Bürokratie ab zu bauen und gleichzeitig die Qualität zu sichern. Denn nicht jedes Kontrollformular führt automatisch zu besserer Pflege.

Im Koalitionsvertrag haben wir im Mai/Juni 2012 verabredet eine Pflegekammer einzurichten und eine Berufsordnung für Pflegekräfte zu schaffen sowie die Ausbildung so schnell es geht, für die Auszubildenden kostenlos zu gestalten. Es kann nicht sein, dass junge Menschen Schulgeld zahlen müssen, wenn Sie sich für die Altenpflege entscheiden, sich also auf den Weg machen Fachkräfte zu werden, die wir so dringend und in immer größerer Zahl benötigen. Wir brauchen ein Klima und eine Gesellschaft im Land, die sich gemeinsam diesen Aufgaben stellt, unabhängig von politischen Entscheidungen. Irgendwann gehören wir schließlich alle zu den Älteren.

Wir brauchen Pflegende

In unserem Bundesland leben aktuell 80.000 Menschen mit Pflegebedarf. Im Jahr 2015 werden es 90.000 sein und im Jahr 2020 ca. 100.000 Pflegebedürftige. Der aktuelle Bertelsmann Pflegemonitor 2030 prognostiziert für Schleswig-Holstein einen Anstieg um 54%bis zum Jahr 2030, das sind dann mehr als 120.000 Pflegebedürftige.

Dann - 2030 - werden allein in Schleswig-Holstein 20.000 Pflegekräfte fehlen. Es droht also eine echte Versorgungslücke, die müssen wir so schnell wie möglich schließen wollen.

Ausbildung kostenlos und flexibel

Gemeinsam mit den Ausbildungsträgern und Altenpflegeschulen wollen wir dafür sorgen, dass die Ausbildungskapazitäten in der Altenpflege in diesem und dem nächsten Jahr um jeweils 200 Plätze erhöht werden. Das dritte Ausbildungsjahr soll im Rahmen durch die Bundesagentur für Arbeit dauerhaft finanziert werden. Die Küstenkoalition macht Nägel mit Köpfen. Der Haushalt 2013 sieht im Einzelplan 10 zusätzlich 200 landesfinanzierte Ausbildungsplätze in der Altenpflege vor. Jeder einzelne eine gute Investition in die Zukunft. Sie sehen: Wir halten, was wir versprechen! 

Wir werden uns für eine moderne, flexible Ausbildung einsetzen. Die unterschiedlichen Fachkraftausbildungen in der Pflege (Krankenpflege, Kinderkrankenpflege, Altenpflege) sollen zu einer integrierten und modularisierten Pflegefachausbildung zusammen gefasst werden, um eine fachliche Spezialisierung zu ermöglichen und die Helferinnen- und Helferausbildung über die Fachkraft bis hin zum Pflegestudium sicher zu stellen.

Wir wollen auf eine schnelle Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse im Pflegebereich, unter Berücksichtigung Europäischer Vorgaben und eines praxisorientierten Sprachniveaus, hinwirken. Gemeinsam mit den beteiligten Akteuren in der Altenpflege werden wir eine Ausbildungskampagne zur Stärkung des Berufsbildes und zur Werbung von jungen Menschen für die Altenpflege initiieren.

Wir haben die Pflegekammer auf den Weg gebracht!

In Schleswig-Holstein plädierten zuerst wir GRÜNEN vor einem Jahr auf unserem Parteitag für die Pflegekammer. Im Dezember 2012 haben wir die Einrichtung einer Pflegekammer im Landtag beschlossen. Damit sind wir das erste Bundesland, das über Absichtserklärungen hinaus geht. Jetzt ist die Regierung am Zug. Damit werden wir die Attraktivität des Pflegeberufes stärken.

Die Errichtung einer Schleswig Holsteinischen Pflegekammer wird den Berufsangehörigen mehr Selbstbestimmung ermöglichen und der Stellenwert der Pflegeberufe und den Schutz der Pflegebedürftigen erhöhen.

Wir Grüne wollen für die Pflege mehr gesellschaftliche Anerkennung. Die Pflege ist einer der wichtigsten Bereiche in der Gesundheitsversorgung. Aus- und Fortbildung, Qualitätssicherung, Berufsordnung viele Fragen zur Pflege müssen beantwortet werden. Und wer könnte sie besser beantworten als die Fachleute, die Pflegenden selbst?

Für uns Grüne steht fest: Die Pflegenden haben ein Recht auf eine demokratische Selbstvertretung. Sie brauchen eine eigene Stimme. Und diese Stimme kann ihnen die Pflegekammer geben.

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