17.08.2018

Schwimmen lernen! ... und andere Schwierigkeiten

In einem Land wie Schleswig-Holstein, in dem wir praktisch von allen Seiten mit Wasser umgeben sind, sollte man doch meinen, dass Schwimmen lernen das Selbstverständlichste auf der Welt sei, oder? Vor allem auch deswegen, weil Schwimmunterricht im Lehrplan für die 3. und 4. Klasse verankert ist.

Dem gegenüber steht allerdings die erschreckende Wahrheit, dass 125 (also 25 Prozent) der Grundschulen in Schleswig-Holstein keinen Schwimmunterricht erteilen.

Bezieht man die bundesweite Erhebung der DLRG aus 2017 mit ein, die besagt, dass über die Hälfte der Schüler*innen nach der vierten Klasse nicht sicher oder gar nicht schwimmen können, muss man sich – gelinde gesagt – „wundern“.

So machte ich „Schwimmen lernen!“ also zum Thema meiner diesjährigen Sommertour, mit dem Ziel, die Hintergründe zu beleuchten und herauszufinden, wo die Probleme liegen und was getan werden muss, damit alle Kinder in Schleswig-Holstein Schwimmen lernen können.

Um es gleich vorweg zu nehmen, es gibt vier Hauptprobleme:

• Mangel an Schwimmbädern/Schwimmzeiten

• Fehlende Transportmöglichkeiten

• Fachkräfte-/Personalmangel

• Finanzielle Engpässe

Und als wären diese vier Punkte für sich gestellt nicht genug, macht erst die individuelle Verstrickung miteinander die ganze Sache kompliziert. Es gibt, wie bei vielen politischen Themen, auch hier wieder keine einfache Lösung. Aber die gute Nachricht ist: Lösungen sind nicht nur denkbar, sondern auch umsetzbar. Der wichtigste Lösungsansatz lautet hier: Kommunikation!

Aber dazu später mehr..

Am Montag, den 13. August 2018 begann ich meine Tour in Kooperation mit dem Deutschen Kinderschutzbund Schleswig-Holstein sowie Vertreter*innen weiterer gemeinnütziger Organisationen und Verbände im Freibad Rendsburg. Der Kinderschutzbund hatte bereits 2016 gemeinsam mit der RSH Stiftung das Programm „Schleswig-Holstein lernt schwimmen“ ins Leben gerufen, das offenbar sehr erfolgreich lief. Wir vereinbarten also, das Thema gemeinsam noch einmal in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken, was hinsichtlich der Sommerferien und diesem „Jahrhundert-Sommer“ wunderbar klappte. Es waren diverse Pressevertreter*innen aus Zeitung, Hörfunk und Fernsehen anwesend, die breit über die Problematik berichteten.

Prima! Der Tour-Start war damit gelungen. Jetzt galt es, weiter inhaltlich in das Thema einzusteigen und mit diversen Fachleuten, Organisationen, Kommunen und Verbänden ins Gespräch zu gehen, die Probleme herauszufiltern und Lösungsansätze zu ermitteln.

Und so folgten in den nächsten vier Tagen diverse weitere Besuche am und auf dem Wasser sowie intensive Gespräche mit Fachleuten aller Art.

Die Perspektiven, Ideen und Lösungsansätze waren vielfältig. Lösungen könnten vor allem dann gefunden werden, wenn sich alle Beteiligten an einen Tisch setzten, wie Frau Dany Rühe, Schwimmkoordinatorin und Kreissportbeauftragte im Herzogtum Lauenburg, immer wieder betonte, denn Kapazitäten in Schulen, Schwimmbädern und anderen Organisationen seien durchaus in unterschiedlicher Stärke vorhanden. Man müsse also miteinander ins Gespräch gehen, die Kapazitäten bündeln und gemeinsam Wege erarbeiten.

Stephan Hild, Kreisleiter der Wasserwacht Kiel, brachte in diesem Zusammenhang die Idee auf, eine Art Internet-Schwimmportal ins Leben zu rufen, ähnlich wie das KiTa-Portal.

Aus allen Gesprächen war einstimmig zu hören, dass Lösungsansätze individuell in den Kommunen und Kreisen erarbeitet werden müssen und dass hierzu Fördergelder gebraucht würden. Diese müssten individuell und vielleicht auch kreativ eingesetzt werden können. Fördergelder, die an allzu strikte Vorgaben geknüpft sind, hielten alle Beteiligten für wenig zielführend.

Insgesamt habe ich eine lange To-Do-Liste erarbeitet, die sich aber nicht allein auf finanzielle Mittel beschränkt. Ein wichtiger Aspekt dieser Tour war auch das Ehrenamt. Es ist wieder einmal ganz deutlich geworden, dass ohne das Ehrenamt wenig funktioniert. Es gilt also auch im Zusammenhang mit diesem Thema, das Ehrenamt weiter zu stärken!

Ideen, wie das möglich wäre, haben wir bereits...

Zum Abschluss dieser sehr intensiven und ergebnisreichen Tour habe ich es mir dann im Erlebnisbad Bredstedt nicht nehmen lassen, noch einmal ins nasse Kühl zu springen, denn wie heißt es so schön?

Work-Life-Balance!

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URL:https://eka-von-kalben.de/unterwegs-in-sh/schwimm-tour-2018/expand/690632/nc/1/dn/1/