Zu Gast in Israel - Delegationsreise vom 25.11. bis 01.12.2018

Gemeinsam mit dem Ältestenrat des Schleswig-Holsteinischen Landtages sowie meinem Fraktionskollegen Rasmus Andresen, MdL bin ich am Sonntag nach Israel aufgebrochen.

Ziel der Reise sind Israel und die palästinensischen Gebiete. Neben einem Besuch der Knesset - dem Sitz des israelischen Parlamentes - und einer Kranzniederlegung in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem, stehen Begegnungen mit Vertreter*innen aus Politik, Nichtregierungsorganisationen, Wirtschaft, Bildung und Forschung auf dem Programm.

Was in den nächsten Tagen auf dieser spannenden Reise passiert, können Sie in meinen Berichten nachlesen.

Viele Freude

Herzlichst, Ihre Eka von Kalben   Mehr »

Josef Schuster - Zentralrat der Juden

Wie passend!

Während ich durch Israel reise, wurde Josef Schuster wiederholt zum Vorsitzenden des Zentralrat der Juden in Deutschland gewählt.

Hier gibt es ein Interview über seine Einschätzung zur aktuellen "Stimmung in Deutschland".

Die Stimmung in ganz Europa sei derzeit nicht gut, wie uns im Einwanderungsministerium erklärt wurde, denn vor allem die Einwanderungszahlen aus Frankreich hätten in den letzten Jahren stark zugenommen!

 

Vortrag bei der deutsch-israelischen IHK

Tel-Aviv gilt mit seinen vielen Start-Ups als "Silicon Wadi". Damit knüpfte der Vortrag auch super an unsere San Fancisco Reise im September an. Es wurde gefragt:

Was braucht es, um in der neuen digitalisierten Wirtschaftswelt mitzuhalten? Und warum klappt das gerade in Israel?

- Eine Antwort darauf ist, dass das Land mit seinen geringen Ressourcen erfinderische Menschen braucht. Geht nicht, gibts nicht, wenn man zum Beispiel ein Land mit zu wenig Wasser begrünen will.

- Eine weitere Antwort ist die enge Kooperation zwischen Wirtschaft, Militär, Wissenschaft und Regierung. Für mich allerdings nicht unbedingt ein Vorbild...

- Ein dritter Punkt ist der Mut zum Risiko, den man in einem unsicheren Leben entwickelt. Und darüber hinaus auch immer wieder die Akzeptanz für das Scheitern, denn ein Unternehmen, das schon einmal gescheitert ist, hat mehr Chancen Kapital zu bekommen, als andere. Klingt erstmal schräg, wird aber begründet mit der Feststellung, dass hier bereits Erfahrungen gesammelt wurden und in der Vergangenheit begangene Fehler nicht wiederholt würden.

Innerhalb unserer Delegation entspann sich daraufhin eine Dislussion um #Noten und #Bildungspolitik, die wir am Abend in gemütlicher Runde fortsetzten!

Heute scheint die Sonne über Jerusalem

Wir sind zu Besuch einer israelisch-arabischen Schule (vom Kindergarten bis zur zwölften Klasse).

Es ist schön, dass die Kinder so schrecklich verfeindeter Gruppen miteinander spielen und lernen, denn 99,9% der Schüler*innen gehen in Israel leider auf getrennte Schulen.

Die Schweiz, als Beispiel für kulturelle und sprachliche Vielfalt, hat einen Gebäudetrakt gespendet. Wie schon gestern Abend im Kibbuz bekommen wir immer wieder Einblicke in Friedensarbeit: Arabische und jüdische Familien, die zusammen lernen und spielen...

Aber es sind Inseln in einer ungerechten Welt. Das Hierarchieproblem in der Außenwelt bleibt.

Ein bedrückender Tag

Der Besuch der Gedenkstääte Yad Vashem geht unter die Haut.

Ein israelischer Historiker führte uns durch eine Stätte, die aufklärte und berührte. Auf vielen Bildschirmen erzählten Überlebende der Shoa ihre Erlebnisse. Immer wieder wurde deutlich, dass es den Nazis nicht nur um die Vertreibung und Vernichtung, sondern auch um die Erniedrigung der Juden ging. Warum sonst hätten sie sich vor den Erschießungen noch nackt ausziehen müssen?

Erschreckend auch die Beweise dafür, wie viele Menschen am Judenhass beteiligt waren, angestachelt durch furchtbare Propaganda des Regimes...

Besonders schrecklich fand ich einen Film, den die Nazis über Theresienstadt filmten, um dem Ausland zu zeigen, wie human ein deutsches KZ sei. Saubere Krankenstationen, Kinderchöre und scheinbar normale Arbeitsstätten wurden präsentiert. Die geschundenen Opfer als Schaupieler in einem Film, der nichts mit der Wirklichkeit zu tun hatte.

Sehr bedrückend ist außerdem die Tatsache, dass kurz vor unserem Besuch der Yad Vashem ein Artikel über die AfD Abgeordnete Doris von Seyn-Wittgenstein veröffentlicht wurde, der ihre Nähe zum #Rechtsextremismus schilderte. Da auch ein Vertreter der AfD in unserer Delegation ist, wurde uns schon ziemlich mulmig. Die AfD und auch unser Mitreisender AfD Abgeordneter Jörg Nobis gibt sich hier als Gegner des Antisemitismus. Allerdings kann ich es nicht akzeptieren, dass man einer Partei zugehörig ist, die mit Äußerungen von führenden Mitgliedern und nun auch der eigenen Fraktion antisemitisch auftritt.

Gegen Muslime hetzten, sich aber gleichzeitig vom Judenhass zu distanzieren ist wenig glaubwürdig! Stattdessen muss vor dem Hintergrund des Schicksals der Juden, welches uns hier einmal mehr sehr deutlich vor Augen geführt wird, eine eindeutige Bekennung zum Asylrecht stattfinden.

Die guten Gespräche zum Jugendaustausch und der Besuch des israelischen Parlamentes der Knesset hoben die Stimmung dann angesichts des erschütternden Vormittags langsam wieder an...

Rivalisierende Religionen mit selbem Ursprung: Abraham

Der Abschluss des Tages war in einem Benediktinerkloster, das auf dem Hause Marias stehen soll.

Das entspann in der Gruppe einige Diskussionen über Religion und religiöse Geschichten.

Jerusalem ist gespickt von Geschichten. Und leider auch mit daraus resultierenden Ansprüchen. Dabei fussen die rivalisierenden Religionen alle auf der Geschichte von Abraham. Und alle stehen für Toleranz.

Schön, dass es dennoch immer wieder Berichte von einem funktionierenden Miteinander gibt. So der Auftritt von einem christlichen und einem muslimischen Jugendchor, dem viele Mitglieder der jüdischen Bevölkerung lauschten.

Vom Kloster aus hatten wir einen wunderbaren Rundblick auf die Stadt Jerusalem. So klein und so eine große Bedeutung.

Israel - Palästina Konflikt

Der vierte Tag in Israel war geprägt vom Konflikt zwischen Israel und Palästina.

Schon beim kleinen Sightseeing am Morgen auf dem Tempelberg in den muslimischen Heiligtümern war der religiöse Konflikt ständig präsent. Touristen dürfen mittlerweile weder in die Moscheen noch in das Museum, weil es zu gefährlich geworden ist.

Besonders beeindruckend war dann aber der Besuch in Ramallah (palästinensisches Autonomiegebiet) und die Gespräche dort mit der PLO (Palestine Liberation Organization) und dem Bildungsministerium. Hier wird alles getan, um eine gewisse Normalität in die palästinensischen Gebiete zu bringen und den jungen Leuten Zukunft und Chancen zu ermöglichen.

Gleichzeitig ist die Perspektivlosigkeit riesig, denn niemand weiß, wie Frieden hergestellt werden kann, in einem Land, in dem keine der beiden Seiten Verständnis füreinander hat. Auch die kleinen Verständigungs-Projekte, die wir am ersten Tag kennengelernt haben, erscheinen so winzig, angesichts der großen Herausforderungen und der israelischen Übermacht in Palästina. Es ist schwer zu vorzustellen, wie das ein gutes Ende nehmen kann.

Dennoch: Die Jugend zusammenzuführen und viele Projekte möglich zu machen, die den Austausch und ein Kennenlernen beider Seiten fördern, ist ein wichtiges Mittel, um Vorurteile abzubauen. Und, vielleicht ist es momentan auch die einziege Chance, überhaupt eine Annäherung zu erwirken.

Für die Palästinenser ist es schlimm: Nachdem die Amerikaner jetzt auch noch einen großen Teil der humanitären Hilfe in den palästinensischen Gebieten gestrichen haben, wird die Lage immer verzweifelter.

Tanzen im Kibbuz Lotan

Der letzte Tag führte uns in das Kibbutz Lotan. Eine Gemeinschaft, die sich bemüht, mitten in der Wüste nachhaltig zu wirtschaften. Ob allerdings das Halten von 300 Kühen und Rindern in der Wüste überhaupt nachhaltig und tierfreundlich sein kann, könnte man zumindest mal infrage stellen.

Und auch das Verbauen von alten Autoreifen in Lehmhütten und Spielzeuggeräten könnte im Sinne der Nachhaltigkeit für nachfolgende Generationen zum Problem werden, wenn man diese Bauart zum Prinzip erhebt.

Trotzdem ist dieses Gebiet etwas Besonderes, denn die Menschen haben hier die Möglichkeit, landwirtschaftliche Kurse zu belegen. Dies dient dem Zweck, auch für andere Regionen Landwirtschaft in der Wüste zu ermöglichen. Wir wurden in diesem Kibbuz sehr warmherzig aufgenommen und durften an einem Gottesdienst zum Sabbat teilnehmen, der sehr fröhlich und emotional war.

Das Kibutz ist insgesamt sehr fortschrittlich und friedensorientiert ausgerichtet.Während des Gottesdienstes wurde ein Sohn zum dreijährigen Militärdienst verabschiedet. Im Mittelpunkt stand das Gebet für seine heile Rückkehr aber auch dafür, dass er sich seine Menschlichkeit bewahren solle. Das fand ich sehr schön.

Im Anschluss wurde gut gegessen und sehr ausgelassen getanzt. Ein wunderbarer, bewegter Abschluss einer insgesamt sehr bewegenden Reise.

Beduinendorf Chan al-Ahmar

Auf dem Weg zur Festung Masada hielten wir in einem kleinen Beduinendorf namens Chan al-Ahmar. Hier haben sich Siedler bereits 1947 mit ihren Ziegen niedergelassen. Weil dieses Dorf aber in einem sensiblen Grenzgebiet liegt und sich dort dauerhaft keine Palästinenser niederlassen sollen, will es die israelische Regierung abreissen lassen.

Die Siedlung besteht aus ca 180 Menschen und betreibt eine Schule für ca 400 Schüler*innen auch für die Kinder aus umliegenden Dörfern.  Sie bietet Bildung von der ersten bis zur zehnten Klasse an und wurde von den Dorfbewohnern eigenhändig aus Lehm, Stroh und Autoreifen erbaut. Dies zeigt, dass sich die Menschen dort sehr bemühen, die Situation für sich und ihre Kinder zu verbessern. Als Anerkennung und zur Unterstützung spendete in diesem Jahr das palästinische Staatsoberhaupt daher einen Laptop für jedes dieser Schulkinder.

Wenn dieses Dorf tatsächlich abgerissen wird, verlieren die Menschen dort ihre Lebensgrundlage und wissen nicht wohin, denn es ist so gut wie unmöglich für Palästiner*innen irgendwo in diesem Gebiet (Westjordan) eine Baugenehmigung zu erhalten, um sich niederzulassen.

Das Deutsche Außenministerium bemängelt außerdem, dass dieser Ort eine wichtige strategische Stelle für Palästina darstellt und durch den Abriss eine Zwei-Staaten-Lösung gefährdet würde. Das wäre eine echte Schande!

Wer mehr hierzu erfahren möchte, findet in diesem Videobeitrag mehr Informationen dazu.