Zwei Räder für ein Halleluja – Mit dem Rad durch Schleswig-Holstein

Radfahren ist gesund, schützt das Klima und macht ganz nebenbei auch noch Spaß. Kein Wunder also, dass mehr und mehr Menschen auf- und umsatteln. Rund 80 Mio. Fahrräder gibt es nach Schätzungen des Zweirad-Industrie-Verbands in Deutschland – und jedes Jahr werden es mehr. Die Pandemie hat der Branche nochmal deutlichen Antrieb gegeben, mittlerweile kommt es bei Reparaturen und Neuanschaffungen sogar zu Zeit- und Lieferproblemen. Auch für uns in Schleswig-Holstein birgt das Thema für Wirtschaft, Tourismus, Verkehrswende und Klimaschutz enormes Potenzial. Das Land hat deswegen mit der Radstrategie 2030 erstmals einen systematischen Fahrplan für die Weiterentwicklung und Modernisierung des Radverkehrs in unserem Bundesland vorgelegt.

Aber wie fahrradfit ist Schleswig-Holstein eigentlich wirklich? Diese Frage kann eigentlich nur an einem Ort beantwortet werden: auf dem Fahrrad selbst. So entstand der Plan für meine diesjährige Sommertour: Neun Tage, mehr als zwanzig Termine und rund 400 Fahrradkilometer. Den Rest der Strecke würden wir mit dem Zug fahren und unser Gepäck (Wechsel- und Regenkleidung, Werkzeug, Arbeitsunterlagen, Verpflegung und Zelte) komplett selbst transportieren. 

Unser Programm war vielfältig – vom Besuch einer sozialen Fahrradwerkstatt über Gespräche mit Tourismusverbänden, Mobilitätsinitiativen, Sportvereinen und sogar dem Gang durch eine große Fahrradausstellung. Immer waren die lokalen Grünen Kreis-/Ortsverbände und ADFC-Gruppen mit dabei, die nie eine Chance ausließen, uns auch abseits der offiziellen Termine noch die schönsten Radwege und Aussichtspunkte ihrer Region zu zeigen. „Ich glaube, das ist heute die schönste Strecke!“ – diesen Satz habe ich an jedem Tag der Sommertour gesagt. Und ich habe es auch an jedem Tag ganz ehrlich so gemeint. 

Auch was die Qualität von Radwegen angeht, haben wir während unserer Rundreise wohl die gesamte Bandbreite abgedeckt: Von der neu ausgebauten Veloroute 10 in Kiel, die als Vorzeigeprojekt bekannt ist, bis zu verwinkelten, schlecht markierten Wegen zwischen Baustellen oder gar Landstraßen, an denen Autos mit bis zu 100 km/h an Radfahrer*innen vorbeidonnern. Außerdem sind wir Konflikten begegnet, in denen es auf einmal die Fahrräder sind, von denen die Gefahr ausgeht – nämlich dort, wo sie sich den Platz mit Fußgänger*innen teilen müssen. Und wir sind auf grüne Zwickmühlen und Zielkonflikte gestoßen – dort, wo der Ausbau und die Restauration von Rad(schnell)wegen in intakte, schützenswerte Natur eingreift.

Eine Erkenntnis hat sich jedoch durch alle Besuche gezogen: Das Thema Radfahren reißt die Menschen mit – in der Stadt- und Straßenplanung, in Tourismus, Wirtschaft, Freizeit oder auf dem alltäglichen Weg zur Arbeit. Dieses Potenzial müssen wir nutzen. Mit der Landesstrategie 2030, dem Aktionsplan Radverkehr und den IMPULS-Infrastrukturmitteln investieren wir weiter in die Modernisierung unserer Radwege. Mit der Arbeitsgemeinschaft Rad.SH stellen wir den Kommunen dazu eine starke Partnerin an die Seite. 

Nach mehr als einem Jahr Pandemie war die Sommertour für mich auch eine Chance, endlich wieder Menschen nicht nur per Videokonferenz, sondern in Person zu treffen. Überall im Land haben uns Grüne ihre Zeit geschenkt, sind Tourenabschnitte mitgefahren und haben uns ihre Häuser (und Gärten als Zeltplätze) geöffnet. Euer Enthusiasmus hat uns angefeuert – gerade dann, wenn das Wetter einmal nicht mitgespielt hat, der Wind von vorne kam und der Wunsch nach dem eigenen Bett groß war. Vielen Dank dafür!