Merhaba Canlar

Rede zum 20-jähriges Bestehen der Alevitischen Gemeinde Kiel e.V. 23.03.2013
Es gilt das gesprochene Wort

Merhaba Canlar,

Sehr geehrte Damen und Herren,


ich fühle mich sehr geehrt heute zu ihrem 20jährigen Jubiläum einige Grußworte sprechen zu dürfen.
Ich habe das erste Mal etwas über das Alevitentum gelernt, als ich mit meiner Partei den Grünen im Jahr 2011 in Geesthacht zu Besuch war.
Wir machten eine Tour durch Schleswig-Holstein um mehr Menschen mit Migrationshintergrund für die Partei zu gewinnen. Die Partei der Vielfalt.
Die alevitische Gemeinde in Geesthacht nahm uns sehr offen auf . Wir sassen an einem großen ovalen Tisch. Besucher und Einladende bunt gemischt. Männer und Frauen, alt und jung, ohne strenge Hierarchie. Es gab lecker essen und trinken und wir lauschten voll Begeisterung.
Von Toleranz war viel die Rede. Von dem Wunsch nach einer guten Bildung für die Kinder. Und von der Bewahrung der Schöpfung-
Was mich persönlich sehr begeisterte war auch der Stellenwert der Musik im Gemeindeleben, weil ich fest davon überzeugt bin, dass gerade Musik Gemeinschaft schaffen kann und sozusagen die Seele beflügelt.
Wir haben viele Gemeinsamkeiten gefunden zwischen unseren politischen Zielen und den Glaubensfundamenten der Aleviten. Auch wenn in einer politischen Partei der mysthische, spirituelle Teil naturgemäß keine so große Rolle spielt oder spielen sollte.
Die alevitischen Gemeinden sind aber nicht nur Glaubensgemeinschaften. Auch wenn ich betonen möchte, dass ich mich gerne dafür einsetzen möchte, dass sie in Schleswig-Holstein wie bereits in sieben anderen Bundesländern als eigenständige Glaubensgemeinschaft anerkannt werden.
Sie spielen eine große Rolle für ein friedliches und gleichberechtigtes Zusammenlebe n der Kulturen. Und dafür gilt auch Ihnen hier in Kiel unser besonderer Dank.
Sie haben immer aktiv Stellung genommen gegen Rassismus, Gewalt, Antisemitismus und Intoleranz und damit einen ganz besonderen Stellenwert für die Integration in dieser Stadt und in Schleswig-Holstein bekommen.
Deshalb dürfen wir es auch nicht nur beim allgemeinen Dank ihnen gegenüber belassen. Wir werden uns dafür einsetzen, und darüber haben wir vor einiger Zeit auch schon ein Gespräch im Landtag geführt, dass wir ähnlich wie in Hamburg zu einer verbindlichen Regelung kommen. Und dort zum Beispiel die Frage des Religionsunterrichtes regeln.
Ich bin davon überzeugt, dass unsere Gesellschaft viel von Ihrer Kultur lernen kann und dass es eine Bereicherung wäre, wenn wir nicht nur dafür Sorge tragen würden, dass sie ihre Kultur und ihren Glauben in diesem Land pflegen können. Nein, wir sollten auch dafür Sorge tragen, dass ihre Kultur bekannt wird.
Ich habe mir in vorbereitung für den heutigen tag mal den Spass gemacht und Freunde und Bekannte, Grüne und Nichtgrüne über ihr Wissen nach den Aleviten befragt. Das Ergebnis war verheerend.
Von fundamentalistischen Islam bis zu Urchristen, gab es die verrücktesten Sachen. Manche meinten auch es käme der Spruch „ jemanden die Leviten lesen" von den Aleviten. Also müsse es wohl etwas schlimmes sein.
Ich wünschte mir, viel mehr Menschen und gerade auch junge Menschen würden sich für den weltoffenen, humanistischen Ansatz ihrer Kultur interessieren.
Abschließend möchte ich auf den Punkt der Toleranz zurückkommen, der in einer Gesellschaft,
In der viele neidisch auf andere schauen.
In der Missgunst wichtiger ist als Mitleid.
In der viele sich nicht mehr die Zeit nehmen, sich als kompletten Menschen wahrzunehmen.
In dieser Zeit , in der auch ich manchmal nicht die Zeit finde, mich aus dem Politikalltag herausziehen.
In dieser Zeit freue ich mich, dass ich aus Anlass des heutigen Tages auf ein Gedicht des alevitischen Dichters Aşık Daimi (1932-1983) gestoßen bin, der sich mit der im Alevitentum vorhandene En-el Hak - Vorstellung, das Gottes Funke in jedem Menschen vorhanden ist , auseinandersetzt,

Mit diesem Gedicht möchte ich schließen und ihnen eine wunderschöne Feier wünschen.
Ich bin der Spiegel des Universiums
Denn ich bin ein Mensch.
Ich bin der Ozean der Wahrheit
Denn ich bin ein Mensch.
Der Mensch und die Wahrheit sind Eins
Was du suchst, findest du im Menschen
Der Mensch besteht aus Erkenntnissen
Denn ich bin ein Mensch.
Ich könnte die Thora schreiben
Die Bibel könnte ich in Verse fassen
Den verborgenen Gehalt des Koran erfühle ich
Denn ich bin ein Mensch.
Ich, Daimi bin ein Trümmerhaufen
Ich bin die Erde unter den Füßen
Ich bin ein Instrument, durch dessen Klang Gottes Liebe auftönt.
Denn ich bin ein Mensch.
Ich wünsche Ihnen viele Menschen in ihrem Verein und viele Menschen, die sie bei ihrer Arbeit unterstützen. Ich werde ein solcher Mensch sein.
Vielen Dank

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