Fachkräftemangel mal anders: Viele Anwärter*innen für die Erzieher*innenausbildung, aber fehlende Ausbilder*innen und Klassenräume

Flensburg. Am vergangenen Freitag besuchte die Abgeordnete und Vorsitzende der grünen Landtagsfraktion, Eka von Kalben, das Regionale Berufsbildungszentrum „Hannah Arendt Schule“ in Flensburg. Das vielfältige Angebot an Ausbildungen und Bildungsabschlüssen begeisterte von Kalben: „Von Fleischer*in bis Heilpädagog*in kann man hier alles werden. Auch die Möglichkeit, an den RBZ‘s verschiedene Schulabschlüsse zu machen, finde ich klasse.“ Detlev Grube, Schulleiter der Hannah Arendt Schule, bestätigte: „Hier kann jede*r seinen individuellen Bildungsweg gehen, egal mit welcher Vorbildung, weil eine hohe Durchlässigkeit gegeben ist. Bei uns fällt keiner durch‘s Raster.“

Neben einem Rundgang durch die einzelnen Werkstätten und Klassenräume gab es auch viel Zeit für Gespräche. Der Schuh drücke derzeit vor allem beim Fachkräftemangel - und zwar „auf der anderen Seite“: Es sei schwierig Lehrkräfte für die Ausbildung von Erzieher*innen zu bekommen. Auch an zusätzlich benötigten Klassenräumen mangele es derzeit noch. Beides führe dazu, dass voraussichtlich weniger Klassen angeboten werden können, als eigentlich nötig wären. „An der Nachfrage seitens der Schüler*innen liegt es nicht“, so Detlev Grube, „wir haben erfreulicherweise genügend Bewerber*innen.“

An der Hannah Arendt Schule sei derzeit einiges im Umbruch. So sei eine nebenberufliche Ausbildung zur sozialpädagogischen Assistenz in Planung, die erste ihrer Art in Deutschland, während es dieses Angebot für Erzieher*innen bereits seit ein paar Jahren gäbe.

Auch die Idee einer „trialen Ausbildung“ stehe im Raum. „Man würde bei diesem Modell dann neben des Erzieher*innentitels, der durch den Praxisanteil ja schon quasi dual ist, gleichzeitig auch einen Bachelor-Abschluss erhalten. Das ist sehr attraktiv für junge Menschen. Sie können so als Erzieher*innen arbeiten, aber potenziell auch Berufsschullehrkräfte werden“, so Grube.

Neben Schulleiter Grube und Abgeordnete von Kalben war auch Ellen Kittel-Wegner als Vorsitzende des Flensburger Jugendhilfeausschusses dabei: "Um eine ausreichende Versorgung mit KiTa-Plätzen in der Stadt gewährleisten zu können, ist entscheidend, dass wir am Standort auch genügend Erzieher*innen ausbilden können, die die Betreuung übernehmen. Dafür müssen Land und Stadt auch vielfältige neue Modelle der Ausbildung ermöglichen, die kurzfristig helfen, dem Engpass an gut ausgebildetem Fachpersonal entgegen zu steuern."

Kritik gab es unter anderem am Verfahren für das Meister-BAföG für Erzieher*innen; der bürokratische Aufwand für das Kollegium sei hier immens. Und auch bezüglich der Umsetzung des Digitalpaktes und der neuen Schulverwaltungssoftware gab es noch einige offene Fragen.

„Ich nehme viele Anregungen und auch Arbeitsaufträge für meine Arbeit im Landtag mit und möchte mich für die Gastfreundschaft bei Herrn Grube herzlich bedanken“, freute sich Eka von Kalben, bevor es weiter in den Europa-Wahlkampf ging.



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