13.06.2018

Der Ball liegt jetzt bei der Stadt

Stadion Holstein Kiel und Sanierung von Sportstätten: Dazu sagt die Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, Eka von Kalben:

... und bei den privaten Investor*innen Sehr geehrtes Präsidium, sehr geehrte Damen und Herren! Markus Anfang hat in der vergangenen Saison mit seinem jungen Team und dessen erfrischend offensiver Spielweise nicht nur Expert*innen und eingefleischte Fußballfans begeistert, sondern in der ganzen Landeshauptstadt und über die Stadtgrenzen hinaus eine wahre Fußball-Begeisterung ausgelöst.

Auch ich – als zugegeben sonst wenig an Fußball Interessierte – habe mich von dieser Euphorie anstecken lassen und die Relegationsspiele der „Störche“ daumendrückend verfolgt. Ich war zu dem Zeitpunkt mit meiner Fraktion in Brüssel. Deshalb habe ich mir extra einen Monat Pay-TV gekauft.

Nun hat es leider mit dem Aufstieg in die erste Fußball-Bundesliga nicht geklappt. Trotzdem sind umfangreiche Modernisierungsmaßnahmen am Holstein-Stadion notwendig, um den Spielbetrieb in der zweiten Bundesliga dauerhaft zu ermöglichen.

Aufgrund des besonderen gesellschaftlichen Gewichts und der enormen Integrationskraft, die Fußball hat, haben wir uns als Jamaika-Fraktionen darauf verständigt, dass wir die Modernisierung des Holstein-Stadions mit zehn Millionen Euro unterstützen werden.

Voraussetzung für die Beteiligung des Landes ist aber, dass sich sowohl private Investor*innen als auch die Stadt Kiel in mindestens gleicher Höhe an den Umbaukosten beteiligen. Um es mit einer Fußball Metapher auszudrücken: Der Ball liegt jetzt bei der Stadt - und bei den privaten Investor*innen.

Wir Grüne haben uns, auch das gehört zur Wahrheit dazu, mit der Entscheidung, den Ausbau des Holstein-Stadions mit Landesmitteln zu unterstützten, nicht leicht getan – und von unserer Parteibasis nicht nur Zuspruch für diese Entscheidung bekommen.

Da war zum einen die – inzwischen zurückgenommene – Entscheidung des Holstein-Vorstands, die Frauenfußball-Förderung einzustellen.

Und da war zum anderen der Eindruck, dass der Verein sich deutlich stärker für Vielfalt und Respekt sowie für eine offene Gesellschaft einsetzen könnte – und nicht nur für den Bau von Möbelhäusern und den Erhalt von Flughäfen.

Dass der Verein inzwischen zugesagt hat, den Holstein Women eine dauerhafte Perspektive zu bieten, war ein entscheidender Schritt.

Wir haben darüber hinaus aber auch die Landeszuschüsse daran geknüpft, dass sich die „Störche“ stärker als bisher für eine offene Gesellschaft einsetzen müssen. In Schleswig-Holstein gibt es viele Menschen, die sich ehrenamtlich im Breitensport engagieren – und damit den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Gemeinschaft stärken.

Ein besonders wichtiges Argument für uns Grüne war die Stärkung des Breitensports in gleicher Höhe.

Das bereits angelaufene Programm zur Förderung von Sportstätten wird deshalb ebenfalls um zehn Millionen Euro aufgestockt. Auf diesen Punkt sind wir besonders stolz!

Aber, meine Damen und Herren, es macht mich schon nachdenklich, dass der Verein ohne großzügige Sponsor*innen und ohne staatliche Hilfe nicht von seiner tollen sportlichen Leistung profitieren kann. Und das nur, weil die Ansprüche der Liga an die Stadien so hoch sind.

Es sollte auf den Sport ankommen und nicht darauf, wer das größte und schönste Stadion hat.

Die Kommerzialisierung des Sports stört mich sehr! Nicht nur wenn ich daran denke, dass wir demnächst keine Champions League und möglicherweise in Zukunft keine Weltmeisterschaften mehr im öffentlichen Fernsehen und kostenlos sehen können.

Aber diese grundsätzliche Erwägung soll uns nicht daran hindern, den Störchen neue Flügel zu verleihen.

Ich werbe immer damit, dass wir Schleswig-Holstein zum „familienfreundlichsten Bundesland“ machen wollen. Mit diesem „Zwanzig-Millionen-Paket“, zehn Millionen für den Umbau des Holstein-Stadions und zehn Millionen Euro zur Förderung von Sportstätten im Breitensportbereich, wird unser Land ein bisschen familienfreundlicher, aber vor allen Dingen „sportfreundlicher“ – und auch darüber kann ich mich sehr freuen.

 

(Landtagsrede vom 13.06.2018. Es gilt das gesprochene Wort!)

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