24.10.2017

1. Stop Blaulichttour: Wasserschutzpolizei Lübeck-Travemünde

Anspruchsvolles Leben eines Wasserschutzpolizisten

Drei Tage der sitzungsfreien Zeit in diesem Herbst folgte ich verschiedenen Blaulichtern, also Institutionen, die unsere Leben in Notfällen retten und schaute mir ihren Berufsalltag an.

Gleich meine erste Station führt mich zu einem wichtigen Teil der Sicherheit in Schleswig Holstein, als Land zwischen den Meeren. Die Wasserschutzpolizei, die, trotz finanzieller Kürzungen, weiterhin so viel für die Sicherheit auf und am Wasser für uns leistet.

Revierleiter Karl Heins Zelck erklärt mir, dass das Revier Lübeck-Travemünde das riesige Gebiet von der Hohwachter Bucht, über Fehmarn im Osten und die Binnengewässer Elbe-Lübeck-Kanal und Trave bis nach Hamburg reicht . Ihre Zuständigkeitsbereiche sind die Überwachung des klassischen Schiffsverkehrs, die Kreuzfahrt, die Autofähren und die Fischerei und für schwerere Katastrophenmeldungen ist sie in ein Netzwerk aus verschiedenen Einsatzkräften integriert. Auch so manchen Hobbykapitän, der für den Schiffsverkehr und die Anwohner zur Belästigung wird, weil er zu schnell oder zu laut übers Wasser fährt, weist die Wasserschutzpolizei zurecht. Die meisten der Wasserschutzpolizisten kommen aus der Seefahrt, denn die geforderten Kenntnisse der Schifffahrt, um die Abläufe auf dem Wasser zu verstehen, seien hoch. Außerdem sind die vielfältigen Aufgaben und insbesondere der Schichtdienst für die Beamten, vor allem solche mit Familie, sehr fordernd.

Bei dem Rundgang über das jüngste Polizeischiff, die “Fehmarn”, bekomme ich jedoch auch einen Einblick in das Leben an Bord. Hier wird an Bord selbst gekocht, die Kajüte und das Deck beeindrucken, hier fahren die Polizist*Innen auf See. Jene, die ich treffe, scheinen ihren Beruf sehr gerne zu machen. Am Ende fehlt mir nur noch die Zeit für eine Ausfahrt — Die hole ich dann im nächsten Jahr nach.

24.10.2017

2. Stop Blaulichttour: Fachhochschule Kiel Projekt „Autonomous Underwater Vehicles“

Rasante Digitalisierung auch Unterwasser

Die zweite Station meiner Herbsttour führt mich zum Studiengang Informatik und Elektrotechnik der Fachhochschule Kiel. Hier werden Unterwasserfahrzeuge entwickelt, die AUVs genannt werden und die sich autonom bewegen können.

Unter der Leitung von Prof. Sabah Badri-Höher wird das Projekt des Autonomous Underwater Vehicles- Teams “TomKyle” (eigene Website: www.auv-tomkyle.de) auch dank enormer Unterstützung der Forschungseinrichtung „Geomar Helmholtz-Zentrum“ vorangetrieben. Es gab schon einige beeindruckende Erfolge des studentischen Projektes, auch bei internationalen Wettbewerben. Mit Hilfe dieser modernen Robotern können Unterwasseruntersuchungen vorgenommen werden, die lange Zeit nur von Tauchern zu leisten waren. Die „Vehicles“ können zum Teil schon jetzt tiefere Meeresregionen, Häfen und sogar Offshore-Windkrafträder untersuchen. Auch Fischbestände und das Schwarmverhalten bestimmter Fischarten lassen sich beobachten, denn die Tauch- und Schwimmroboter liefern bei guter Sicht hervorragendes Bildmaterial. Vor allem die Einbindung dieses Forschungsprozesses in den Studiengang wird durch die Studierenden äußerst positiv bewertet,da er zeigt, wie praktisches Arbeiten und theoretische Berechnungen Hand in Hand gehen. Ergebnisse des Denkens werden ihnen klar sichtbar.

Ich halte es auch für ein gutes Vorbild für den Unterricht in naturwissenschaftlichen Fächern, wo viele Lernende besonders viel Anschauungsmaterial gebrauchen können.

Der Höhepunkt war natürlich die Präsentation des autonomen Unterwasserfahrzeuges, welches mich mit seinen Schwimm- und Taucheigenschaften schwer beeindruckte.

Ich wünsche weiterhin viel Erfolg und Forschergeist.

25.10.2017

3.Stop Blaulichttour: Integrierte Rettungsleitstelle Kiel

Anlaufstelle für Notrufe von über 600.000 Menschen

Notrufe, die aus Kiel oder den Kreisen Rendsburg-Eckernförde und Plön abgesendet werden, kommen in meiner dritten Station, der integrierten Regionalleitstelle in Kiel, an.

Der Amtsleiter Herr Hinz und sein für Kollege Dr Michael Corzillius, der für das Medizinische zuständig ist, erklären mir, dass die Zahl dieser Notrufe schon seit einigen Jahren sehr ansteigt. Dies sei zwar zum Teil durch den demographischen Wandel bedingt, aber auch zunehmend schlechtes Wetter habe einen Einfluss darauf gehabt und eine Veränderung in der Haltung von Bürger*Innen, die immer schneller bereit seien, den Rettungswagen oder die Feuerwehr zu rufen.

Die Leitung hier ist sehr kritisch gegenüber den Plänen der Jamaika-Koalition für ein neues Rettungsdienstgesetz. Sie befürchten, dass eine stärkere Privatisierung des Rettungsdienstwesens das Gesamtsystem in Gefahr bringen würde. Völlig einig sind wir uns in dem Punkt, dass der Staat die Sicherheit von Leib und Leben ihrer Bürger*Innen gewähren muss, unabhängig davon, welche Anbieter auf dem Markt der Rettungsdienste tätig sind. Das Hauptplädoyer lautet hier: Weiterhin muss es ein System geben, dass alle Rettungseinsätze erfasst und steuert, damit Menschen nicht aus dem Versorgungsnetzwerk fallen. Auch für einen Katastrophenfall muss es eine Struktur geben, um sicher zu stellen, dass die Einsatzkräfte präsent und einsatzbereit sein.

Eine kleine Einführung in aufwendige Abrechnungssysteme, Probleme mit der Fachkräftesuche und die neue Methode der Telefonreanimation beenden für heute Vormittag das kleine Seminar für mich, welches die Rettungsleitstelle in Sachen Notruf und Rettung vorbereitet hat.

Die Anliegen nehme ich gerne mit, die Botschaften sind angekommen.

25.10.2017

4. Stop Blaulichttour: Deutsche Rettungsflugwacht Förderverein e.V. - Stiftung Luftrettung

Abheben ist hier gewünscht

In Rendsburg wartet Dr. Florian Reifferscheid, überregionaler Koordinator und Leitender Notarzt an diesem Standort der DRF "Deutsche Rettungsflugwacht Förderverein e.V."-Stiftung-Luftrettung, auf mich. Der noch fast neue Hubschrauber steht leider nicht auf dem Dach, zum Glück aber für einen Herzinfarktpatienten, der schon gleich vom Notfallteam des Hubschraubers versorgt und in ein nahegelegenes Krankenhaus geflogen wird. Viele Notarzteinsätze, Notfälle, die schnelle Hilfe brauchen und auch in abgelegenen Regionen intensivmedizinisch versorgt werden müssen, bekommen durch die Hubschraubercrew die notwendige Erstbehandlung. Es folgt der Transport ins Krankenhaus. 5 Hubschrauber gibt es in Schleswig-Holstein, weitere sind in den umliegenden Regionen stationiert. Auch hier spielt die Rettungsleitstelle in Kiel eine Rolle, denn auch dort wird dieser Hubschrauber disponiert. Kurz vor seiner Rückkehr nach Rendsburg, als wir ihn schon zurückerwarten, wird der Hubschrauber zu einem schweren Verkehrsunfall auf der Autobahn nach Bordesholm gerufen. Wie gut, dass wir diese motivierten Retter haben, denke ich auch an diesem Tage mehrmals. 1500 Flugstunden muss ein Pilot absolvieren, bevor er den Rettungshubschrauber fliegen kann, deswegen kommen viele Piloten aus der Bundeswehr zu den Rettungsfliegern. Herr Reifferscheid wünscht sich für die DRF noch intelligentere Koordinierung bei den intensivmedizinischen Krankentransporten, aber auch hier wird klar: Für komplexe Anforderungen gibt es keine schnellen und einfachen Antworten. Auch die Arbeit der Deutschen Rettungsflugwacht hat mich beeindruckt. Ich verabredete einen Termin zum Mitfliegen im neuen Jahr.

25.10.2017

5. Stop Blaulichttour: THW-Ortsverband Husum

Auch jenseits großer Einsatzlagen immer bereit

Zahlreich sind die Einsatzkräfte und die Zugführer des Technischen Hilfswerks-Ortsverbandes Husum eingetroffen, um mich zu begrüßen. Ein groß angelegter Fuhrpark, eine eindrucksvolle Fahrzeughalle und ein geräumiger Stationsneubau lassen viel Beschäftigung erwarten. Zum Leidwesen der ehrenamtlichen Helfer*Innen und zum Glück für die Bevölkerung könnte es mehr Arbeit sein. Bei Standardeinsätzen wird immer erst die Feuerwehr gerufen. Trotzdem, berichtet Zugführer Ole Petersen, wird hier einiges getan, um Jugendliche an den THW heran zu führen, den Ausbildungsstandard und die Geräte in Ordnung halten. Immer wieder klagen auch Ehrenamtler mir gegen über, es gäbe eine Zunahme von Bürokratie.

Dennoch muss es allgemeingültige Regeln geben, die eingehalten werden, darüber sind wir uns einig. Das THW ist vor allem für seine länger dauernde Katastrophenhilfe eine weltweit angesehene Institution. Auch die Kurzeinsätze sind möglich, denn der nächste Sturm kommt bestimmt. Die Extremwetterlagen nehmen zu, wie auch hier allen klar ist.

Wir sprechen über die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten des THW und ich erfahre, dass der THW sich in Zukunft noch stärker in der Rettungsinfrastruktur engagieren will. Das macht Sinn.

Licht- und Nahrungsmittelversorgung, Wasserpump- und Transportarbeiten sind nur ein kleiner Ausschnitt von Tätigkeiten, die der THW anbieten kann. Die ehrenamtlichen Rettungskräfte des THW in Husum sind einsatzbereit.

26.10.2017

6. Stop Blaulichttour: DRK-Kreisverband Segeberg

Die Zeiten ändern sich - das DRK in Segeberg gestaltet mit.

Das DRK in Segeberg ist breit aufgestellt: Von der Kita bis zur Altenbetreuung und vom Rettungsdienst bis zur Pflege wird hier alles angeboten.

Stefan Gerke, Vorstand des DRK im Kreisverband Segeberg erläutert die Veränderung der Strukturen im Laufe der Jahre, die bis heute ein Nebeneinander von Ehren- und Hauptamt vorsehen.

Im Zuges des demografischen Wandels und des gleichzeitigen Fachkräftemangels, wird es für das DRK zunehmend schwieriger die nötige Hilfe auch in ländlichen Regionen anzubieten. Außerdem sind viele Ehrenamtliche in mittleren Lebensjahren mit ihren eigenen Familien und der Arbeit häufig sehr beschäftigt, so dass sie in dieser Zeit als ehrenamtliche Helfer nicht zur Verfügung stehen.

Die viele kleinen Untereinheiten des DRK zeigen, dass hier eine Professionalisierung stattgefunden hat, die Angebote für Kinder, Familien und ältere Menschen bereithält, aber vom Ehrenamt entscheidend mit gestützt wird.

Mit Nachdruck setzt sich das DRK in Segeberg verstärkt für Öffnung von Rettungsdiensteinsätzen, der privaten und nichtstaatlichen Anbieter ein. Eine Möglichkeit, die eine gesetzliche Initiative der Jamaika-Koalition jetzt vorsieht.

Eine allgemeine Notrufleitung durch eine zentrale Rettungsleitstelle wird allerdings auch beim DRK für nötig gehalten. Das geplante Rettungsdienstgesetz wird noch eine Reihe an Anregungen und Diskussionen erfahren, so viel wird hier bei meinem morgendlichen Besuch erneut deutlich.

Die fehlende Einbindung der Motorradstaffel in den Rettungsfunk, die Komplexität der Aufgaben der Rettungssanitäter und die Hochwertigkeit von Ausstattungen in modernen Rettungswagen wird mir bei der Besichtigung der Rettungswache des DRK in Segeberg mit auf den Weg gegeben.

Der Besuch zeigt, überall in Schleswig-Holstein gibt es starke Hilfs- und Rettungsangebote, die vor allem einer intelligenten Koordinierung bedürfen.

26.10.2017

7. Stop Blaulichttour: DLRG Lübeck

Schwimmen und Wasser ist hier einfach Leidenschaft.

Es war ein schöner Zufall, dass ich wenige Tage vor dem offiziellen Eröffnungstermin im Rahmen meiner Blaulichttour schon den Neubau des DLRG auf der Lübecker Herreninsel besuchen konnte.

Der Vorsitzende Thomas Becker zeigte mir das großzügige Materiallager und die neuen, hellen und großzügigen Räumlichkeiten. Die Spendenfreudigkeit Lübecker BürgerInnen, der Stiftungen, die Unterstützung von Stadt und Land und natürlich die vielen ehrenamtlichen HelferInnen haben dieses Projekt möglich gemacht. 1,7 Millionen Euro hat das neue Domizil gekostet, das für die 1500 Mitglieder auch ein Ort neuer Motivation und Aktivität sein soll. Gerne möchte die DLRG-Lübeck stärker in zukünftige Katastrophenschutzeinsätze eingebunden sein, wie z.B. bei Sturmfluten. Ich verspreche dem Vorstand, in zukünftigen politischen Gesprächen über den Katastrophenschutz ihren Wunsch mit zu erörtern.

Die Aufgabenstellungen des DLRG passen sehr gut zu Schleswig-Holstein: Vom Schwimmunterricht angefangen bis zum Einsatz als Lebensretter an der Küste, wird hier wichtige Arbeit geleistet. Die Jugendabteilungen sind Anziehungspunkte für viele junge Menschen, die sich engagieren wollen. Bootsführer, Taucher und Rettungsschwimmer sind Tätigkeiten, die für Mädchen und Jungen attraktiv sind. Auch hier treffe ich wieder auf hochengagierte ehrenamtliche BürgerInnen Schleswig-Holsteins, die eher noch mehr anbieten und machen wollen, als ohnehin schon vorgesehen.

luebeck.dlrg.de/meldungen/neuigkeit/14/News.html

 

 

26.10.2017

8. Stop Blaulichttour: Freiwillige Feuerwehr Glinde

Immer mehr Einsätze: Warum eine Freiwillige Feuerwehr neue Antworten fordert.

Diese Tour war vor allem auch ein Dank an die Ehrenamtlichen und an die hauptberuflichen Einsatzkräfte für ihre Arbeit. Die Flüchtlingsankünfte genauso wie die extremen Wetterlagen forderten den Rettern und Helfern viel ab. Da war es nur zu passend mit dem Wehrführer Michael Weidemann und seinen Kameraden ein Gespräch über die Belastungen durch das Ehrenamt zu sprechen. Besonders die Wehrführer, so Michael Weidemann, seien wie bei ihm in Glinde mit rund 300 Einsätzen im Jahr an ihrer Belastungsgrenze angelangt. Er verwies dabei auf einen Prüfauftrag aus dem Jamaika-Koalitionsvertrag, der die Möglichkeit von Stellenschaffung vorsieht, wenn ein Belastungslimit erreicht ist. Ich kann dazu sagen: Wir werden das Thema in den Verhandlungen mit den Kommunen über die Mittelzuweisungen verhandeln.

Die Bedeutung des Ehrenamtes wird auch an diesem Abend wieder mehr als deutlich. Wir als Gesellschaft können es gar nicht hoch genug schätzen, wenn Mitbürger*innen für uns tätig werden. Häufig geht es um handwerkliche Unterstützung durch Feuerwehrleute (z.B. Straßen von Bäumen befreien, Türen bei Gefährdungen aufbrechen), oft bei Feuer und schweren Verkehrsunfällen auch um Leben und Tod.

Es ist gut, wenn wir das Miteinander diskutieren und der Staat auch an vielen Stellen unterstützt, besonders im Sachmittelbereich. Aber eines ist mit Geld nicht zu bezahlen: Die Motivation der Retter*innen und Helfer*innen.

Und die ist in Glinde hoch, so wie bei den vielen anderen ehrenamtlichen und hauptberuflichen Einsatzkräften, die ich auf meiner Blaulichttour besucht habe.

Sie alle sind für uns in Schleswig-Holstein täglich im Einsatz. Ihnen gilt mein Dank und sie werden sich, so hoffe ich, bei einem Anliegen gleich direkt an mich wenden, genauso wie es Michael Weidemann, der Wehrführer aus Glinde getan hat. Gespräche helfen in der Sache und helfen einander kennen zu lernen. Durch die vielen Begegnungen bin ich bei meiner diesjährigen Herbsttour den Rettern und Helfern noch ein Stück nähergekommen.

Ich werde mich für ihre Unterstützung durch die Jamaika-Koalition in Schleswig-Holstein auch weiter einsetzen.

URL:http://eka-von-kalben.de/meine-themen/ehrenamt-blaulicht/