Ein besonderes Jahr

Wir befinden uns mitten in der Vorweihnachtszeit, die zweite Kerze auf dem Adventskranz brennt und überall erleuchten Fenstersterne und Lichter das Dunkel. In diesem Jahr nochmal mehr, wenn ich mich in meiner Nachbarschaft umsehe. Ich kann sehr gut verstehen, dass viele Menschen in diesem Jahr ein ganz besonderes Bedürfnis nach einem gemütlichen und festlichen Zuhause haben. Meine Mitarbeiterin zum Beispiel hat sich seit vielen Jahren zum ersten Mal wieder einen Adventskranz gebunden – davon hat sie nun täglich etwas, denn unsere Fraktion arbeitet seit Beginn der zweiten Corona-Welle wieder weitestgehend digital von Zuhause aus. Letzte Woche haben wir sogar eine digitale Fraktions-Weihnachtsfeier gemacht. Natürlich ist das nicht dasselbe wie eine Feier mit Gesang und Tanz, aber die Pandemie erfordert eben Kreativität und Offenheit für Neues.

Ein sehr besonderes Jahr neigt sich dem Ende. Für manche Menschen war es – vom Mund-Nasen-Schutz beim Einkaufen und im ÖPNV mal abgesehen – gar nicht so viel anders als sonst. Für andere Menschen ist 2020 das Jahr, in dem sie geplante Reisen stornieren, auf Festivals verzichten und Hochzeitsfeiern verschieben mussten. Und für viele andere Menschen war dieses Jahr mit Angst vor Ansteckung, Trauer um geliebte Menschen, familiären Grenzerfahrungen und Existenznöten verbunden.

2020 war aber auch das Jahr von beeindruckender Solidarität und Nachbarschaftshilfe. Das Jahr, in welchem vielen Menschen wieder bewusst geworden ist, was ihnen eigentlich wichtig ist im Leben. Das Jahr, in dem viele Berufsgruppen endlich wieder mehr Anerkennung bekommen haben: Menschen, die in der Pflege arbeiten und Menschen, die an der Kasse sitzen zum Beispiel. Und vielen Eltern im Land ist im Lockdown in den Frühjahrsmonaten wieder bewusst geworden, was Erzieher*innen und Lehrer*innen tagtäglich leisten.

Ich wünsche uns allen, dass wir die Pandemie im kommenden Jahr so gut in den Griff bekommen, dass 2021 das Jahr wird, in dem wieder viel Normalität möglich sein wird – ohne Maske, ohne Abstand. Dass wir alles Negative aus diesem Jahr zurücklassen und alles Positive mitnehmen. Dass wir solidarisch sind und auf unsere Mitmenschen achtgeben. Das wir Nächstenliebe zeigen – nicht nur an Weihnachten.

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