Kirchenasyl

Im Landtag läuft das letzte Plenum dieses Kalenderjahres, ein großer Weihnachtsbaum vor dem Plenarsaal stimmt auf das baldige Weihnachtsfest ein. Vielerorts werden in diesen Tagen Lieder gesungen und Theaterstücke gespielt, welche die Weihnachtsgeschichte erzählen. Die Geschichte eines Kindes, welches in einem Stall zwischen Tieren geboren wird, weil den Eltern jedes andere schützende Dach über dem Kopf verwehrt bleibt. In diesem Zusammenhang wird stets auch über Grundwerte wie Barmherzigkeit und Nächstenliebe gesprochen.

Ich finde es fast schon paradox, dass ausgerechnet in dieser besinnlichen Zeit das Kirchenasyl erneut in Frage gestellt wird. Dass gerade die Menschen in Kirchengemeinden kritisiert werden, welche die genannten Werte in höchstem Maße verkörpern. Weil sie Menschen, die keinen Ausweg mehr finden, Schutz bieten. Weil sie sich im Namen der Humanität ehrenamtlich für ihre Mitmenschen einsetzen – und dies nicht nur vor Weihnachten.

Die Praxis des Kirchenasyls ist noch älter als das Christentum selbst. Bereits in der Antike wurde Menschen an heiligen Orten Asyl gewährt. Heute befinden sich deutschlandweit 531 Personen im Kirchenasyl. Menschen, welche die monatelange Isolation kirchlicher Obhut als letzten Ausweg sehen. Vielen von ihnen droht die Abschiebung in ein anderes EU-Land. Seit diversen Berichten von Menschenrechtsorganisationen ist bekannt, dass die Bedingungen für Geflüchtete in Ländern wie Ungarn oder Bulgarien katastrophal sind. Zudem droht den Geflüchteten auch in Ländern wie Norwegen die Abschiebung nach Afghanistan oder in andere Krisenländer.

Das Schwierige an der Debatte um das Kirchenasyl ist, dass sie sich jenseits des Rechtsstaats befindet. Das europäische Asylsystem ist in weiten Teilen mangelhaft. Dort, wo das Asylsystem versagt, lindert das Kirchenasyl die Not. Ich denke, im Einzelfall kann das Prinzip „Gnade vor Recht“ richtig sein, und bedanke mich bei allen Engagierten.

Herzlichst, Ihre Eka von Kalben

 

Abgeordnetenwort Eka von Kalben, erschienen in den Uetenser Nachrichten am 14.12.2017

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