20.06.2020

Familien in Corona

Seit meinem letzten Abgeordnetenwort ist ein Vierteljahr vergangen und Corona ist noch immer das vorherrschende Thema – in unserer aller Leben, in den Nachrichten und in der Politik. Inzwischen können wir endlich etwas durchatmen und uns glücklich schätzen, dass wir in Schleswig-Holstein – nicht zuletzt wegen der getroffenen Corona-Maßnahmen – verhältnismäßig glimpflich davon gekommen sind.

Die Maßnahmen waren zumeist richtig – auch wenn uns die vielen Entscheidungen, die wir innerhalb kürzester Zeit treffen mussten, oft alles andere als leicht gefallen sind. Insbesondere die Entscheidung, Schulen und Kitas so lange zu schließen beziehungsweise nur eingeschränkt wieder zu öffnen.

Denn vor allem für Familien war der Lock-Down eine extrem harte Zeit. Homeoffice, Kinderbetreuung und Unterricht zu Hause, das geht nicht zusammen. Das zerrt an den Nerven aller Beteiligter. Für viele Kinder war diese Zeit eine verstörende Situation. Sie litten unter Einsamkeit, unter Bewegungsmangel und nicht alle hatten die gleichen Bildungschancen. Nicht jedes Kind wohnt in einem Haus mit Garten, nicht jedes Kind verfügt über ein digitales Endgerät und nicht jedes Kind bekommt zuhause ausreichend Ansprache und Unterstützung.

Eltern litten unter extremer Doppeltbelastung. Frauen und insbesondere Alleinerziehende sind von der Corona Situation besonders betroffen. Sie arbeiten häufig in schlecht bezahlten Jobs, prekären Arbeitsverhältnissen oder sind soloselbstständig. Kündigungen, Kurzarbeit und Einkommensverluste treffen Frauen besonders hart. Zudem lastet auf ihnen ein Großteil der Verantwortung in der Familie. Das Thema Geschlechtergerechtigkeit tritt in dieser Zeit besonders zu Tage.

Damit sich diese Probleme im Falle einer zweiten Infektionswelle nicht wiederholen, haben wir vergangene Woche im Landtag einen Jamaika-Antrag zur Unterstützung von Familien in der Corona-Krise beschlossen. In diesem fordern wir die Landesregierung auf 1. weitere Erkenntnisse zu Ausbreitung von SARS-CoV-2 bei Kindern und Jugendlichen einzuholen, 2. gemeinsam mit Schul- und Kita-Trägern eine Strategie zu entwickeln, wie Schließungen verhindert werden können. Wir wollen nicht wieder geöffnete Spielhallen und geschlossene Schulen haben. 3. Teilzeit für Eltern zu vereinfachen und zu flexibilisieren, 4. eine finanzielle Entlastung zu schaffen und 5. die Zahl der Tage zu erhöhen, die man bei kranken Kindern zuhause bleiben können. In Zeiten, in denen Kinder mit jedem Schnupfen zuhause bleiben sollen, sind 20 Tage pro Kind schlichtweg zu wenig.

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